Nicht ohne Grund ist die Harfe das Hoheitszeichen Irlands. Denn die kulturelle Identität bildete einen wichtigen Kristallisierungspunkt für die nationale Selbständigkeit.

Bekannt ist die irische traditionelle Musik, die vor der Verbreitung des Radios für weite Teile der Bevölkerung die Musik schlechthin war. So entwickelten sich eine Amateurmusik ohne große Besetzungen sowie überlieferte Lieder und Tanzstücke, die man meist von einem älteren Nachbarn lernte.

Aber Irland kennt auch den Berufsmusiker wie den Härfner Turlough O'Carolan (1670 - 1738) dessen Airs heute beliebter sind, denn je. Oder die viktorianischen Poeten wie Thomas Moore (gest. 1852), dessen Oden an die Freundschaft noch gern gesungen werden. Auch heutige Songwriter wie Phil Coulter schreiben Lieder, die als "essentiell irisch" angenommen werden.

All das ist irische Musik. Irisch ist auch die Neigung, jedes neue Instrument, das auf die Insel kommt, mit einzubeziehen, sofern es in die Tradition passt. Das gleiche gilt für Lieder, die aus anderen Teilen des großen englischen Sprachraums zu uns kommen. Einmal mit irischem Akzent gesungen, schon sind sie Eingebürgert!

Und wer viel traditionelle Musik singt oder spielt, findet darin oft eine Möglichkeit des eigenen künstlerischen Ausdrucks.  So entstehen immer neue Stücke, die auf die traditionelle Melodik, Rhythmik, Spiel- und Singtechnik aufbauen und sich so nahtlos in das "trad."-Repertoire einfügen.

Diese für Neues und Fremdes offene Tradition ist vielleicht das Wesentliche an der "irischen Musik".

Irlands Beitrag zur europäischen Kultur lag und liegt allerdings eher im Bereich der Literatur — Seamus Heaney ist schon der dritte irische Literaturnobelpreisträger.

interƒolk gibt den Schlüssel zu diesem scheinbaren Widerspruch. Denn die Balladen, die ein Großteil des Repertoires der Gruppe ausmachen, sind eigentlich gesungene Erzählungen. Die irische Ballade ist jedoch kein literarisches Genre sondern eher eine ganze, gesungene Literatur.

Die Ballade als Solche

Diese gesungene Literatur entstand zu einer Zeit, als viele Menschen des Lesens unkundig waren, und die Ballade musste ihnen alles bieten, was wir uns heute erlesen: Erbauung, Zerstreuung, aktuelle Informationen, politische Ideen, Reiseberichte, Spaß, Liebesgeschichten, Lebenshilfe, Abenteuer. Die Ballade ist, wie wir vom Schulunterricht wissen, eine epische, eine erzählende Kunstform. Die irischen Lieder wollen erzählen, aber sie tun es, ohne dass das Lyrische oder das Dramatische zu kurz käme.

Die Tanzstücke

Die häufigsten irischen Tanzrhythmen sind: 
Reel, schneller 8/8-Takt; 
Jig, 6/8- oder 9/8-Takt; 
und Hornpipe, mäßiger, gepunkteter 4/4-takt.

Die Entstehung der heute gebräuchlichen Melodien wurde stark von der Geige beeinflusst. 
Die typischen Verzierungen, die irische Geiger und Flötenspieler verwenden, um die Melodien zu artikulieren, und die der irischen Tanzmusik ihren "sprudelnden" Charakter verleihen, stammen aus der Spieltechnik des Dudelsacks.

Airs

Wie bei der Musik einer jeden Kultur gibt es auch in der irischen Musik neben Vokal- und Tanzmusik auch Instrumentalmusik zum einfach Zuhören. "Air" ist der selbe Wortstamm wie "Arie", und eine Air ist eine Melodie, die "cantabile", also im Singstil vorgetragen werden kann. Viele irische Airs sind auch mit Liedern verknüpft. 
Bot sie früher dem Härfner oder dem Sackpfeifer die Möglichkeit, sein solistisches Können und seine musikalische Kreativität unter beweis zu stellen, wird die Air heute gern als Basis für die aufwendigen Arrangements genommen, die das reichhaltige Instrumentarium der modernen Folk-Musik ausschöpfen.

Interessantes Link

Viel Wissenswertes über die irische Musik erfahren Sie im Internet-Ressource Ceolas.